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Ab Januar herrscht hier Leben

Die Baustelle lässt erahnen, wie der Wiemersdorfer Markttreff aussehen wird

WIEMERSDORF. Ein Dixi-WC und Bauschutt auf dem Außengelände lassen derzeit nicht vermuten, dass in wenigen Monaten in das teuerste Bauprojekt der Gemeinde Leben einzieht. Und auch im Inneren hängt noch ein Kabelgewirr von den Decken, Sanitäreinrichtungen sind noch nicht vorhanden, den Wänden fehlt die Farbe, und einige Fenster sind auch noch  nicht eingebaut. Dafür prangt aber schon das Dorfwappen an einem der Giebel zur Straßenfront. Doch spätestens zum Jahreswechsel, da ist sich Bürgermeister Gerd Sick ziemlich
sicher, kann die Einweihung des neuen Dorfhauses „Zur alten Post“ erfolgen. „Der Gastronom Philip Stachura möchte zum 1. Januar den Betrieb aufnehmen“, kündigte Sick an.

„Hausmannspost“ hat sich Stachura als Namen für seine Gaststätte ausgedacht – ein Wortspiel, das zum einen an den alten Gasthof „Zur Post“ erinnert, der früher auf dem Grundstück stand, zum anderen an die Kost, die es dort geben soll, also eher Bodenständiges. Auch der Name des gesamten Gemeindezentrums „Zur alten Post“ ist eine Reminiszenz an den alten Dorfkrug. Der Gastwirt wird maßgeblich daran beteiligt sein, wie das „erste Haus am Platze“ belebt wird, nicht nur mit der Speisenkarte, sondern auch durch Veranstaltungen, die er anbietet. Philip Stachura ist Profi, er betreibt auch das Restaurant „Waldküchenmeister“ im Erlebniswald Trappenkamp. In Wiemersdorf wird er 50 Sitzplätze im Innenbereich der Gaststätte haben, hinzu kommt die Terrasse. Außerdem verwaltet Philip Stachura den großen Saal mit fast 130 Quadratmetern. Dieser kann durch Öffnen einer Schiebetür um 88 Quadratmeter vergrößert werden. Bis zu 140 Gäste können hier feiern. Eine Bühne und ein Stuhllager sind ebenfalls vorhanden – für die Theatergruppe des TSV Wiemersdorf ideale Voraussetzungen. Auch ein Sekttresen ist im Saal vorgesehen. Darüber hinaus wird ein Multifunktionsraum mit 36 Quadratmetern allen Bürgern und Vereinen sowie der  Gemeindevertretung zur Verfügung stehen.

Gut zwei Millionen Euro wird der Komplex kosten. Um dafür Fördergelder in Höhe von 750 000 Euro zu erhalten, durfte nicht nur ein einfaches Dorfhaus entstehen. Es musste ein sogenannter Markttreff errichtet werden, der auch der Nahversorgung der Bevölkerung dient. Erfüllt wird diese Bedingung durch die Gaststätte, aber auch durch einen Laden im rechten Teil des u-förmigen Gebäudes. 100 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen hier zur Verfügung, Pächter sind schon gefunden: Roland und Gabi Paul. Sie ziehen mit ihrem kleinen Shop
„Coffee and Snacks“, den sie zurzeit an der Kieler Straße betreiben, in den Markttreff. Sitzgelegenheiten wird es im Laden, aber auch davor, auf einer Terrasse geben. Insgesamt verfügt das Gebäude über rund 370 Quadratmeter Nutzfläche. Auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück werden 25 befestigte Parkplätze und 15 weitere Stellplätze zur  Verfügung stehen. Über einen größeren Anschaffungsposten wird in den nächsten Tagen noch mit der Amtsverwaltung beraten. Aus steuerlichen Gründen dränge es sich auf,  Gaststätte, Saal und Laden betriebsbereit zu verpachten, also inklusive kompletter Inneneinrichtung, so Sick. „Es ist nicht ganz einfach, zu überblicken, was das kosten wird“, so der  Bürgermeister. Neben dem Mobiliar müsse auch Geschirr und Besteck beschafft werden. Ein sechsstelliger Betrag komme wohl zusammen, glaubt Sick. Rund 276000 Euro Vorsteuer ließe sich aber durch diese Investition sparen.

Als ehrenamtlichen Bauleiter hat die Gemeinde Klaus Jörck eingesetzt. „Als ehemaliger Polier ist er sehr gut in der Lage, den Bauverlauf zu überprüfen, er nimmt mir sehr viel Arbeit ab“, berichtete der Bürgermeister. Eine wichtige Rolle kommt in Zukunft dem Verein Markttreff zu, in dem die Feuerwehr, der TSV, der Seniorenclub oder die Landjugend Mitglied sein werden. Sie sollen als Bindeglied zwischen der Bevölkerung und dem Wirt dienen und  mit ihm gemeinsam das Haus mit Leben erfüllen. Das erste große Fest steht schon fest: die Karnevalsveranstaltung „Latuff“ im Februar 2018, die dann endlich wieder ein Dach über dem Kopf hat. In den letzten Jahren waren nur Umzüge möglich. Außerdem plant der Verein, eine Tauschecke für Bücher einzurichten, die wie eine kleine Leihbücherei funktionieren soll. Sick sagte, dieses Mammutprojekt für die Gemeinde sei nur möglich gewesen, weil sich die Gemeindevertreter über die Fraktionen hinweg großenteils einig waren. „Jetzt wünsche ich mir, dass das Haus von der Gemeinde angenommen wird und unsere Pächter mit Gaststätte und Laden Erfolg haben“, so der Bürgermeister.

 

Quelle: Segeberger Zeitung, 14.08.2017

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