• 04821 94 96 32 30

„Eine neue Dynamik vor Ort“

Seit zehn Jahren erweisen sich Schleswig-Holsteins 22 Aktivregionen als Ideenschmieden zur Entwicklung des ländlichen Raums

KIEL In der Holsteinischen Schweiz wurden Stege und Zuwege zur Fünf-Seen-Schifffahrt erneuert. Tornesch (Kreis Pinneberg) hat eine leerstehende alte Schule so umgebaut, dass Gruppen sie für Veranstaltungen nutzen können. Gemeinden entlang der Treene haben sich besser auf die Bedürfnisse von Kanutouristen eingestellt. Auf der Nordsee-Halbinsel Eiderstedt ergänzt ein Anruf-Bus den ÖPNV. Und an der Hohwachter Bucht gibt es jetzt einen öffentlich zugänglichen Obst-Erlebnisgarten. Das alles sind eine Handvoll Beispiele für insgesamt 1620 Projekte, mit denen die 22 Aktivregionen zwischen Nord- und Ostsee in den vergangenen zehn Jahren das Leben auf dem Dorf verbessert haben. Seit 2008 gelangen die Fördermittel für die ländliche Entwicklung über diese Gebietseinheiten zum Empfänger.

Rund 234 Millionen Euro Fördermittel sind auf diesem Weg binnen des letzten Jahrzehnts geflossen. 86,7 Millionen davon stammen von der EU. Den Rest legten Bund und Land drauf. Denn in der Regel sind Fördermittel aus Brüssel an eine nationale Co-Finanzierung gebunden. 33 weitere Millionen Euro Zuschüsse sind in der aktuellen, noch bis Anfang der 2020er-Jahre laufenden Förderperiode übrig.

„Die vergangenen zehn Jahre haben gezeigt, dass mit den Aktivregionen vor Ort eine neue Dynamik entstanden ist“, bilanziert die Staatssekretärin im Kieler Innenministerium, Kristina Herbst (CDU). „Lokale Akteure aus den Kommunen, der Wirtschaft und den Verbänden haben sich stärker zusammengetan als zuvor.“

In den Aktivregionen nämlich sind – anders als früher – nicht mehr allein die Kommunen dafür verantwortlich, wofür sie Zuschüsse anzapfen. Die Beschlüsse darüber trifft die „Lokale Aktionsgruppe“ einer Aktivregion. Und dort stellen Ämter und Gemeinden nur die Hälfte der Mitglieder. Die andere Hälfte entfällt auf die Zivilgesellschaft. Das sind zum Beispiel Vertreter von Handels- und Gewerbevereinen, Handwerkskammern, Naturschutzorganisationen, dem Bauernverband oder von Tourismuszentralen. So fließt eine breitere Perspektive in die Entscheidungsprozesse ein. „Es ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg einer Region, dass die vor Ort handelnden Personen eng zusammenarbeiten“, stellt Herbst fest.

Zugleich hat die Konstruktion den Blick über den örtlichen Tellerrand geschärft. Um an die Mittel zu kommen, mussten Gemeinden und Städte Aktivregionen bilden, die mindestens 50 000 und höchstens 150 000 Einwohner zählen. Ein Teil der Gebilde orientiert sich namentlich an naturräumlichen Gegebenheiten, etwa die Aktivregionen Schlei-Ostsee, Eider-Treene-Sorge oder Uthlande für die Inseln im Watt. Andere bemühten bei der Taufe geografische Lyrik. Das führte zu Bezeichnungen wie „Holsteins Herz“ (im dafür eigentlich schon zu östlichen Raum Bad Segeberg/Bad Oldesloe), „Holsteiner Auenland“ (in Teilen der Kreise Steinburg, Pinneberg und Segeberg) oder „Mitte des Nordens“ (Flensburger Umland). Letztes Jahr umbenannt hat sich das „Hügelland am Ostseestrand“ – in „Eckernförder Bucht“. Zu groß sei der Erklärungsbedarf gewesen, wo genau denn dieses Hügelland eigentlich liege, hieß es zur Begründung. Anderswo hat die Namensschöpfung einer Aktivregion hingegen sogar abgefärbt auf andere Lebensbereiche: So gibt es zum Beispiel in Bad Bramstedt im „Holsteiner Auenland“ mittlerweile auch die Gemeinschaftsschule Auenland oder beim Bäcker Auenland-Brötchen – „ohne dass ich dabei nachgeholfen hätte“, freut sich Bürgermeister und Aktivregions-Vorsitzender Hans-Jürgen Kütbach. „Das Binnen-Marketing funktioniert also.“

Bei allen Mitbestimmungsrechten: Völlig beliebig dürfen die Aktivregionen den Geldsegen über sich selbst nicht herniedergehen lassen. Die EU gibt Förder-Prioritäten vor: Von den 63 Millionen Euro der laufenden Förderperiode müssen 20,8 Millionen für nachhaltige Daseinsvorsorge ausgegeben werden, 12,9 Prozent für Wachstum und Innovation, 10,2 für Klimawandel und Energie und sieben Millionen für Bildung. Nur die verbleibenden rund zwölf Millionen sind thematisch frei verfügbar.

Wenn Herbst besonders ungewöhnliche Ideen von Aktivregionen hervorheben soll, denkt sie etwa an das „Musiculum-Mobil“. Dieser große bunte Transporter bringt musikpädagogische Frühförderung aufs Land. Gleich in vier Gebieten: in der Holsteinischen Schweiz, in Mittelholstein, der Eider- und Kanalregion Rendsburg und an der Eckernförder Bucht. „Das ist etwas, das es sonst in vielen Orten nicht geben würde“, ahnt die Staatssekretärin. Ebenso nennt sie eine Initiative aus dem Holsteiner Auenland zum Flächen-Recycling. Dabei werden brachliegende Areale so hergerichtet, dass sie für Investoren interessant sind.

„Von Jahr zu Jahr sind die Aktivregionen wichtiger für die ländliche Entwicklung geworden“, meint Olaf Prüß, Sprecher der Regionalmanager aller Aktivregionen. Diese Personen sind so etwas wie die Geschäftsführer der Lokalen Aktionsgruppen. Selbst übt Prüß gleich dreifach ein Regionalmanagement aus, nämlich in Steinburg, im Holsteiner Auenland und der Pinneberger Marsch und Geest. „In der ersten Phase waren die Akteure viel mit der eigenen Struktur beschäftigt, sie mussten sich finden und die Projektauswahl lernen. Inzwischen können sie sich viel mehr auf die Inhalte konzentrieren und besser sortiert an Themen herangehen“, freut er sich. Die Aktivregionen seien spürbar besser verankert als am Anfang: „Das merkt man daran, dass die Leute jetzt auch von sich aus Themen an uns herantragen.“

In einer Umfrage eines externen Instituts bewerteten die Mitglieder der Lokalen Aktionsgruppen ihre Zufriedenheit mit dem Modell der Aktivregionen auf einer Notenskala zwischen 1 und 6 mit 2,27. Prüß findet es „mutig, dass Schleswig-Holstein so viel Eigenverantwortung auf die lokale Ebene delegiert hat“. Das sei so weitgehend und so flächendeckend in anderen Bundesländern nicht der Fall. Auch die Gewichtung der Stimmen sei mit dem breiten gesellschaftlichen Einfluss sei einzigartig.

Als schleswig-holsteinische Besonderheit empfindet Prüß ebenfalls ein landesweites Netzwerk der Aktivregionen. Es besitzt eine eigene feste Struktur und fördert den Austausch untereinander. Das helfe, um mit den komplexer gewordenen Förderrichtlinien der EU fertig zu werden. Wichtig sei das Netzwerk aber auch zur gegenseitigen Inspiration. Denn bei allen lokalen Besonderheiten gebe es auch gemeinsame Interessenlagen. Das „Dörps-Mobil“, bei dem das nordfriesische Klixbüll elektrisch betriebene Gemeinschaftsautos angeschafft hat, hat anderswo so viel Neugierde erzeugt, dass es jetzt einen landesweiten Leitfaden zur landesweiten Nachahmung gibt.

 

Quelle: Norddeutsche Rundschau, 23.05.2018

Aktuelles

Krückauwanderweg nach Langeln verlängert…

Das neues Teilstück des Krückauwanderwegs zwischen Barmstedt, Heede und Langeln ist offiziell eingeweiht worden.   Heede | Das Ganze habe mit einer Idee begonnen, sagt Heedes Bürgermeister Reimer Offermann. Ein Wanderweg sollte Barmstedt, Heede und Langeln abseits der viel befahrenen Landesstraße 75 miteinander verbinden und eine Alternative für Radfahrer und Fußgänger sein...

weiter...

Startschuss für Dörps-Kampus

Landesweites Modellvorhaben nimmt in einem Jahr Betrieb auf / Kindergarten und Grundschule unter einem Dach

weiter...

Dritter Platz für Brokstedt

BROKSTEDT Mit einem dritten Platz hat Brokstedt im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ abgeschnitten.

weiter...

Fischzucht Knutzen weiht neues Betriebsg…

Fischzucht Knutzen weith das fertige, durch die AktivRegion Holsteiner Auenland geförderte, Betriebsgebäude ein

weiter...

Vier neue Projekte beschlossen

Auf der 13. Projektbeiratssitzung am 05.06.2018 im Landhauscafé Mühlenholz in Heidmühlen wurden vier weitere Projekte beschlossen:

weiter...

Mehrgenerationenplatz eingeweiht

Mit einem kleinen Dorffest wurde der Platz in Wulfsmoor offiziell eröffnet.

weiter...

„Eine neue Dynamik vor Ort“

Seit zehn Jahren erweisen sich Schleswig-Holsteins 22 Aktivregionen als Ideenschmieden zur Entwicklung des ländlichen Raums

weiter...

Halbzeitbewertung

In der EU-Förderperiode von 2014-2020 ist Halbzeit.

weiter...

Acht neue Projekte

Auf der 12. Projektbeiratssitzung am 20.03.2018 in Wiemersdorf wurden acht weitere Projekte beschlossen.

weiter...

Bönningstedt bleibt nur im Gaststatus

Vollmitgliedschaft in der Aktiv-Region Holsteiner Auenland derzeit nicht möglich

weiter...

Termine

Keine anstehende Veranstaltung

ELER-Bund-Land-Logo2012logo-LEADERLogo-AktivRegion SH

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.